12 September 2017

Levada dos Cedros - Rundwanderung


Curral Falso - Levada dos Cedros - Fanal - Curral Falso - 10,6 km

Es ist eine sehr kleine, sehr alte Levada und eine sehr grüne Waldwanderstrecke im Nordwesten von Madeira. Der schönste Teil beginnt in Curral Falso, wo die Levada die Regionalstraße ER 209 kreuzt, die von Ribeira da Janela hoch zum Paúl da Serra führt.



im Wald eine eher seltene Begegnung

es war den beiden auch nicht ganz geheuer


Entlang des schmalen Wasserkanals, der in weiten Teilen noch aus Natursteinen gefertigt ist, wandern wir durch den Lorbeerwald. Nur selten dringt ein Sonnenstrahl durch das dichte, grüne Blätterdach. Die Levada windet sich um die Bacheinschnitte, um Felsen, um Baummethusalems, in einem sanften, stetigen bergan.






dies ist der einzige Abschnitt, wo besondere Vorsicht notwendig ist, besonders bei Nässe




Hin und wieder öffnet sich ein "Fenster" und wir bekommen schöne Ausblicke über das tief eingeschnittene Ribeira da Janela-Tal.




Kurz vor der Madre führen Holzstufen links nach oben zum Fanal.
Vorher wollen wir aber zum Wasserfall, den wir schon von weitem hören. An der Fassung der Levada, geht es noch ein kleines Stück am alten Verlauf weiter, dann zwischen den Bäumen ein paar Meter hoch und dann stehen wir davor. Großartig!
Als hätte jemand ein flüssiges Tuch vor die grandiose Basaltsteinwand gehängt.

nach der Madre, hier geht es nicht mehr weiter







Dann steigen wir den bequemen Treppenweg hoch zum Fanal, wo wir zunächst sonnig empfangen werden. Doch schon bald hüllt sich dieser märchenhafte Ort wieder in dichte Nebelwolken. Im Fanal sollte man nie ohne Pullover und Regenjacke sein, zu keiner Jahreszeit!





Unser Abstieg führt uns über den Miut-Trail. Es macht Sinn den Weg mit einem GPS-Track zu verfolgen, denn die vielen Forstwege und Pfade, die kreuzen, machen eine Orientierung schwierig. Aufpassen müssen wir außerdem auf die Downhill-Biker, die sich den Trail zu eigen gemacht haben. Dort wo es eigentlich moderat bergab geht, haben sie Schanzen eingebaut und den Boden komplett aufgewühlt.

der Abstieg beginnt nach dem Lagoa do Fanal auf der linken Straßenseite genau dort wo die gelbe Leitplanke endet

der zerwühlte Abstiegspfad

Bei Erreichen des Picknickplatzes zweigt der weitere Abstieg recht unscheinbar nach links ab, quert bald den höher liegenden, alten Verlauf der Levada, der zwar undeutlich, aber doch noch zu erkennen ist, und trifft dann auf die neue Levada dos Cedros kurz vor der Querung der ER. Und damit sind wir wieder an unserem Startpunkt angekommen.

von rechts die Bikerspuren, geradeaus das alte Levadabett 

Fazit: Im Sommer eine einfache Wanderung, wenn mann schwindelfrei ist. Nach starken Regenfällen kann der Levadaweg überschwemmt sein, manchmal rutschen auch längere Wegstücke ab. Der Abstieg ist ohne GPS Track nur schwierig zu finden. Notfalls weicht man auf die wenig befahrene Straße aus.





Gehzeit: 3 1/2 Stunden

An- und Abstieg: 300 m


Anfahrt: Ribeira Brava - Paúl da Serra (über Encumeada oder über Canhas) - weiter auf ER 209 Richtung Porto Moniz - Curral Falso (kein Ortsschild, nur zwei Wandertafeln)

weitere Posts zu dieser Gegend:



10 September 2017

Sambarhythmen zum Sommerausklang

Die Hot Summer Events im Museum von Calheta sind vorbei.

Zum Abschluss trat die Gruppe Maracangalha mit rockigem Samba auf und schaffte trotz geringer Zuhörerzahl ein phantastische Stimmung.


Das Casa das Mudas mit seinen sehenswerten zeitgenössischen Kunstwerken bleibt natürlich ganzjährig geöffnet.
Es lohnt sich!

05 September 2017

Traubenernte in Estreito de Câmara de Lobos

Estreito de Câmara de Lobos - Levada do Norte - Garachico - Ribeira Caixa - Estreito de Câmara de Lobos - 8 km

Wir können auch anders. Mal ganz zivilisiert und gemütlich. Eine kurze Spazierwanderung durch die Weinberge entlang der Levada do Norte.



Wir starten oberhalb des Dorfzentrums, die Levada kreuzt hier die Regionalstraße, die nach Jardim da Serra führt. Der Wasserkanal ist mit Platten abgedeckt, wir gehen im Schatten der Weinreben zwischen den Häusern, deren Zugang direkt an der Levada liegt. In den steilen Weinhängen hat die Weinlese begonnen und entlang unseres Weges reihen sich die Erntekisten mit blauen Trauben. In Estreito de Câmara de Lobos gedeihen die blauen Tinta Negra Mole-Reben prächtig. Hier wachsen an den Weinstöcken mehr Trauben als Blätter, und groß und prall und saftig sehen sie aus.



Erst als die Levada in das Tal der Ribeira da Caixa einschwenkt, wird der Weg schmaler. Ein breites Felsband, das als Überhang an der Levada aufragt, kann unterhalb des Kanals bequem umgangen werden. 





Dann zieht sich der Pfad gepflegt ins tiefe Tal hinein. Im Talgrund überqueren wir das sommertrockene Bächlein über eine Metallbrücke, danach folgt ein kurzes ausgesetztes Wegstück.



Blick zur anderen Talseite

Blick auf Câmara de Lobos und Funchal

Weinhang, der zwischen der Levada und der Vereda "klebt"

Obstbäume - Kirschen, Birnen, Walnüsse - säumen im weiteren Verlauf die Levada und die Abhänge.
Am Dorfrand von Garachico wollen wir uns entscheiden, ob wir unsere Wanderung mit einer großen Runde oberhalb der Levada  oder mit einem Ab- und Anstieg durchs Tal fortsetzen. Zum Überlegen folgen wir erstmal dem Hinweis zur Bar.


Nach Bica und Eis, wofür mal wieder ganz schlitzohrig Levada-Wanderer-Preise verlangt werden, entschließen wir uns zur kleinen Runde und steigen den Treppenweg der Vereda da Escola do Garachico wieder hinunter, vorbei an der Schule, überqueren die Straße und nehmen auf der anderen Seite die schmale Vereda zum Abstieg.



Auf einem schmalen Pfad geht es unter den Obstbäumen hindurch wieder ins Tal hinein. Mehrere Feigenbäume machen einen dichten Tunnel über dem Weg.



Über eine alte Bogenbrücke (leider mit viel Beton verschandelt) queren wir die Ribeira da Caixa.




Der erste Teil des Wiederanstiegs ist ein wenig krautig und durch eingestürzte Feldsteinmauern etwas ruppig. Doch sobald wir die Weinterrassen erreichen, ist der alte Weg gut zu gehen.



Noch ein paar Treppenstufen und wir sind wieder an der Levada. 

Das weitere Herumstreunen in den Weinbergen wird leider durch eine bedrohlich aussehende Rauchsäule, die nordwestlich von Estreito de Câmara de Lobos aufsteigt, vereitelt. Innerhalb weniger Minuten schieben sich grau- gelbe Rauchwolken vor den blauen Himmel und weil auch die Dorfbewohner bereits besorgt noch oben schauen, beenden wir unsere kleine Wanderung und hoffen, dass dem Feuer in den Bergen schnell Einhalt geboten werden kann.




Fazit: eine leichte bis moderate Wanderung, je nachdem ob man auf der Levada vor und zurück geht, oder den An- und Abstieg durchs Flusstal macht. Wenige Wanderer an der Levada, über die Vereda trafen wir nur Leute bei der Traubenernte



Gehzeit: zwei Stunden
Ab-/Anstieg: 100 m

Anfahrt: Funchal - Via Rapida, Ausfahrt 4 - Estreito de Câmara de Lobos - an der Kirche vorbei - Richtung Jardim da Serra - nach 600 m auf das Schild Levada do Norte achten.

28 August 2017

Die Höllenschlucht


Levada da Fajã do Rodrigues - Ribeira do Passo - Levada do Norte - Levada do Plaino Velho - Madre - Paúl da Serra - Pico Ruivo dPdS - Estanquinhos



Die Ribeira do Inferno ist eine der wildesten, wasserreichsten und unberührtesten Regionen auf Madeira. Fast immer hängen die Wolken tief in der Schlucht, wo sich Wasserfall auf Wasserfall in die Tiefe stürzen. 
Vor zwei Jahren hatten wir uns über die Levada da Fajã do Rodrigues durch mehrere Tunnel bis dorthin gewagt. Die Faszination über die gewaltige Natur an der Madre endete jäh, als ich im Bachbett ausrutschte und mir beim Sturz aufs Gesicht die Brille zerbrach. Mit einem "Veilchen", einigen Schnittwunden, und im "Blindflug" ging es tastend zurück durch die fiesen Tunnel und anschließend in die Ambulanz von São Vicente. Dieses Inferno-Trauma sollte nun endlich mit einer positiven Erfahrung beseitigt werden. 
Daniel hatte ich ja bei der Wanderung in der Schweiz endlich persönlich kennengelernt und, weil ich aus seinen Wanderberichten wusste, dass er auf dem Weg von der Levada da Fajã do Rodrigues zur Serra do Paúl bereits in mehreren Abschnitten gegangen war, verabredeten wir uns für seinen letzten Urlaubstag auf Madeira zu dieser herausfordernden Tour. Das Wetter machte mit, wichtigste Voraussetzung für den insgesamt 1100 m hohen Aufstieg durch den Lorbeerwald. 

Wir lassen ein Auto in Estanquinhos auf der Serra, fahren mit dem zweiten über den Encumeada Pass ins São Vicente Tal und starten in Ginjas am Parque Empresarial.
Über eine breite Piste sind wir in wenigen Minuten an der Wassertreppe der Levada da Fajã dos Rodrigues, der wir entgegen der Fließrichtung folgen. 

Wassertreppe, die von einem 1,7 km langen Wasserstollen vom Hochplateau gespeist wird.

Knapp 3 km laufen wir uns an der Levada warm. Die lang andauernde Trockenheit dieses Sommers hat für die Vegetation im Lorbeerwald, in den wir tiefer und tiefer eintauchen, hier auf 600 Höhenmetern keine Auswirkungen. Die Wege zwischen und in den Tunneln sind allerdings ungewöhnlich trocken. Aus den Steilwänden tropft es nur mäßig.



Wir verlassen die Levada kurz vor dem wirklich fiesen 1000 m langen Tunnel und beginnen unseren Aufstieg. Extrem steil  zieht sich der kaum erkennbare Pfad mit etlichen Kletterpartien durch den Wald nach oben. Auf den feuchten Steinen rutschen die Stiefel genauso wie auf dem trockenen Laub. Es ist mühsam.


Als wir das Bachbett der Ribeira do Passo erreichen, beantwortet sich die Frage "warum tun wir uns das eigentlich an?" von selbst. Die Schönheit der Natur mit ihren Wasserfällen, glasklaren Gumpen, rundgeschliffenen Felsblöcken können Fotos nur annähernd wiedergeben. Man muss sie erleben.












Steil geht es weiter, immer wieder müssen wir die Orientierung an markierten Bäumen überprüfen, umgestürzte überklettern oder unterkriechen. Dabei begegnen uns verwitterte Artefakte als botanische Zeitzeugen und von Menschen geschaffene Schutzhöhlen als Relikte vergangener Zeiten.



Dass man sich trotz Erfahrung bei bestem Wetter verlaufen kann, stellen wir fest als wir plötzlich unterhalb der Levada do Norte stehen, die wir doch eigentlich oberhalb eines Ihrer vielen Tunnel überqueren wollten. Der Weg endet an einer schmalen Schlucht. Piet klettert voraus, ich bekomme kräftige Hände gereicht, dort wo ich mich nicht aus eigener Kraft hochziehen kann. Es ging einfacher als es von unten aussah.


Damit wäre der letzte unbekannte Part im Verlauf dieses Aufstiegs zufällig auch entdeckt.
Vor dem Tunneleingang geht es über eine Felsnase zurück zum eigentlichen Pfad und nach fast vier Stunden erreichen wir die stillgelegte Levada do Plaino Velho. 
Zeit für eine längere Pause! 

stillgelegte Levada do Pleino Velho

Den deutlich erkennbaren Treppenaufstieg, den wir vor einigen Wochen zur Hochebene gegangen sind lassen wir links liegen und wandern durch etliche Tunnel weiter Richtung Madre. 



Die Levada ist in diesem Abschnitt bereits sehr verfallen. Hier gilt es besonders auf die Füße zu achten. Es gibt ein paar ausgesetzte Stellen, doch die Trockenheit macht das Laufen sicherer. 




ein kurzer Blick nach oben, da wollen wir hin

massive, steinerne Rundbank als Sicherung gegen den Abgrund. 

 An der nassen Felswand direkt vor der Madre sieht es allerdings kritisch aus. Während ich noch ungläubig auf den schmalen, nassen Sims blicke und sich in meinem Kopf ein "niemals gehe ich da rüber" formt, ist Piet schon auf der anderen Seite zu sehen. Ein versteckter Eingang zu einem kurzen, tropfnassen  Felstunnel ist des Rätsels Lösung. Dann stehen wir quasi im Wasserfall. Das geht wirklich auch nur im Hochsommer. 

Daniel vor dem versteckten Tunneleingang, Piet am Ausgang

Tunnelausgang

die unpassierbare nasse Felswand

im Wasserfall


Die folgende Felswand müssen wir über einen kurzen Abstieg unterqueren, dann passieren wir einen Arm der Ribeira do Inferno. 


Blick zurück zum letzten Tunnel mit Grasvorhang

Über ein schmales Felsband erreichen wir einen Weg, der uns zwar weiterhin steil, aber in gutem Zustand, über Stufen und in engen Serpentinen aus dem Wald herausführt. Allmählich machen sich die vielen Höhenmeter in den Beinen bemerkbar. Wir werden langsamer.



Mit Erreichen der Ginsterzone wird es flacher, die Füße können endlich wieder waagerecht stehen und wir lassen den Blick schweifen, dorthin wo wir hergekommen sind. Unvorstellbar, dass uns durch diesen Dschungel einen Weg nach oben geführt hat!



Nun sind es nur noch wenige Minuten durch den hohen Ginster - noch ist der Weg schulterbreit offen - dann stehen wir auf der Hochebene. Geschafft!


Anstatt über die Piste zurück nach Estanquinhas zu gehen, gönnen wir uns noch die letzten 120 m Aufstieg auf den Pico Riuvo do Paúl, weil der Weg so sanft nach oben geht und sich die Beinmuskeln wieder entspannen können.



Der Himmel hat sich zugezogen, als wir am Abend den Gipfel erreichen. Egal, wir hatten einen phantastischen Wandertag mit unvergesslichen Eindrücken in einem sehr kameradschaftlichen Miteinander. 



Fazit: eine schwierige Bergwanderung, die Orientierungssinn, viel Erfahrung mit dem Wetter und dem Gelände, sowie eine gute Kondition voraussetzt und gefahrlos nur in den Sommermonaten machbar ist. Stirnlampen mit Ersatzbatterien sind für die Tunnelgänge erforderlich.

Gehzeit: 7 Stunden
Gesamtaufstieg: 1100 m